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Narkose

Mit Sicherheit gut schlafen 

Während der Operation sorgen die Anästhesistinnen und Anästhesisten für Schmerzfreiheit und Schlaf, sowie für die Aufrechterhaltung lebenswichtiger Körperfunktionen. Hierzu werden hochwirksame Medikamente und moderne Überwachungssysteme eingesetzt, die für den Operateur optimale Arbeitsbedingungen schaffen und dafür sorgen, dass heute selbst Frühgeborene mit geringem Körpergewicht und Patienten mit einem Lebensalter von bis zu 100 Jahren und mehr notwendige Operationen wohlbehalten überstehen. Das wäre noch vor wenigen Jahrzehnten undenkbar gewesen. 

Pro Jahr werden ca. 6500 Anästhesien in den operativen Bereichen Allgemein- und Visceralchirurgie, Unfallchirurgie/Orthopädie und Handchirurgie, Gynäkologie und Geburtshilfe, Neurochirurgie und Wirbelsäulenchirurgie sowie Hals- Nasen und Ohrenheilkunde durchgeführt. 

Ängste und Schmerzen bei einer Operation lassen sich zuverlässig vermeiden. Schmerzfreiheit kann auf unterschiedliche Weise, ggf. auch durch Nervenblockaden erreicht werden. Während der Patient in Narkose schläft oder in örtlicher Betäubung entspannt ruht, wird er vom Anästhesie-Team umsorgt. Unseren hohen Sicherheitsstandard erreichen wir heute durch: 

  • schonende Narkoseverfahren mit modernen und nebenwirkungsarmen Arzneimitteln
  • differenzierte Monitorsysteme mit Überwachung der Hirnfunktion
  • Erhaltung einer adäquaten Körpertemperatur

Nach dem Eingriff wird der Patient bis zum vollständigen Abklingen der Narkose lückenlos überwacht, um Risiken vorzubeugen und die Genesung durch eine adäquate Schmerztherapie zu fördern. 

Allgemeinanästhesie („Vollnarkose“) 

Eine moderne Narkose setzt sich aus verschiedenen Komponenten zusammen:  

  • Aufhebung des Bewusstseins und der Erinnerung (Hypnose)
  • Schmerzfreiheit (Analgesie)
  • Erschlaffung der Muskulatur (Relaxation) 

Um diese Ziele zu erreichen kommen verschiedenste Arzneimittel zur Anwendung: 

  • Narkosegase werden im Beatmungsgerät der Atemluft zugemischt und schalten das Bewusstsein zuverlässig aus. Daneben wirken sie in geringem Maße auch schmerzdämpfend und muskelerschlaffend. Schlafmittel (Hypnotika) werden in eine Vene gespritzt. Die meisten Hypnotika wirken auf das sogenannte "Schlafzentrum" im Gehirn. Dadurch wird innerhalb weniger Sekunden nach der Injektion eine tiefe Bewusstlosigkeit erzeugt. Die Wirkung solcher Schlafmittel hält meist nur wenige Minuten an. Sie müssen deshalb wiederholt gegeben oder kontinuierlich zugeführt werden. 
  • Stark wirksame Schmerzmittel (Opioide) sorgen bei entsprechender Dosierung für völlige Schmerzfreiheit. Auch diese Medikamente werden entweder in bestimmten zeitlichen Abständen nachgespritzt bzw. mit einer Spritzenpumpe fortlaufend infundiert. Die Wirkung der Opioide kann durch zusätzliche Gabe von sogenannten peripheren Schmerzmitteln ergänzt werden.
  • Muskelrelaxantien sind Medikamente, die die Skelettmuskulatur vollständig erschlaffen. Der Herzmuskel ist davon nicht betroffen. Mit Hilfe eines speziellen Stimulationsverfahrens (Relaxometrie) kann die Tiefe der Muskelerschlaffung zu jedem Zeitpunkt der Narkose abgeschätzt werden. 

Durch gezielte Auswahl und sorgfältige Dosierung der verwendeten Medikamente passt der Anästhesist die Narkose genau Ihrem Gesundheitszustand und den Besonderheiten der Operation an. 

Spinal-/ Periduralanästhesie („Teilnarkose“) 

Bei der Spinalanästhesie wird zwischen zwei Lendenwirbeln der mit Liquor gefüllte Raum (Spinalraum) punktiert und ein Betäubungsmittel (Lokalanästhetikum) eingespritzt. Die hierfür verwendete Nadel ist extrem dünn. Da das Lokalanästhetikum direkt an den Nervenwurzeln angreifen kann, entwickelt sich die Spinalanästhesie sehr schnell. Je nach verwendeten Lokalanästhetikum wirkt die Spinalanästhesie für 2-3 Stunden. Die Spinalanästhesie schaltet das Schmerzempfinden in der gesamten unteren Körperhälfte vollständig aus, die Muskeln sind erschlafft. Die Spinalanästhesie ist gut geeignet für Operationen unterhalb des Nabels, wie z.B. Eingriffe am Knie- oder Sprunggelenk oder Kaiserschnitte. 

Bei der Periduralanästhesie wird eine spezielle Hohlnadel bis in den Periduralraum (nicht mit Liquor gefüllt) vorgeführt. Über die Nadel wird entweder nur einmalig das Lokalanästhetikum gespritzt (single shot) oder ein dünner Schlauch für mehrmalige bzw. kontinuierliche Medikamentengabe eingebracht (Kathetertechnik). Die Periduralanästhesie erzeugt eine gürtelförmige Betäubung ober- und unterhalb der Einstichstelle. Die Ausbreitung nach oben und unten ist abhängig von der Menge des injizierten Betäubungsmittels. Die erzeugte Anästhesiequalität (Schmerzdämpfung >> vollständige Schmerzausschaltung >> Erschlaffung der Muskeln) wird durch die Konzentration des verwendeten Betäubungsmittel beeinflusst. 

Eine Periduralanästhesie kann an der Brust- und Lendenwirbelsäule angelegt werden. Durch Variation dieser Parameter (Höhe der Einstichstelle, Konzentration und Menge des Lokalanästhetikums) kann die Periduralanästhesie an Ihre Bedürfnisse und die Operation angepasst werden. Besonders gut eignet sich die Periduralanästhesie zur Geburtserleichterung und zur Schmerztherapie nach großen Eingriffen. 

Anästhesie in der Allgemein- und Visceralchirurgie 

In der Allgemein- und Visceralchirurgie wird ein breites Spektrum an operativen Eingriffen angeboten. 

Von Seiten der Anästhesie werden alle gängigen Narkoseformen durchgeführt. Je nach operativem Eingriff kann dies eine Allgemeinanästhesie („Vollnarkose“) oder eine Spinalanästhesie („Teilnarkose“) sein. Auch eine Kombination aus Allgemeinanästhesie und Regionalanästhesie (thorakaler Periduralkatheter) zur postoperativen Schmerztherapie wird durchgeführt. Welches Verfahren für Sie das geeignete ist, wird der Anästhesist mit Ihnen zusammen im Aufklärungsgespräch erörtern und festlegen.

Anästhesie in der Unfallchirurgie/ Orthopädie und Handchirurgie 

Auch hier werden alle üblichen Anästhesieverfahren angeboten. Gerade im Bereich der Orthopädie kommen Kombinationsanästhesien zur Anwendung. Hierbei wird neben einer Allgemeinanästhesie eine regionale Nervenblockade meist in Form eines Katheterverfahrens zur postoperativen Schmerztherapie kombiniert. Diese Verfahren bieten gerade bei Eingriffen im Bereich des Hüft- und Kniegelenkes und des Schultergelenkes die Möglichkeit, eine fast vollständige Schmerzfreiheit postoperativ zu erzielen. Auch reine regionale Anästhesieverfahren besonders im Bereich der Handchirurgie kommen zur Anwendung und tragen erheblich zum Patientenkomfort bei. Alle regionalen Betäubungsverfahren werden ausschließlich unter Ultraschallkontrolle durchgeführt, so dass ein Höchstmaß an Sicherheit garantiert werden kann. 

Anästhesie in der Gynäkologie und Geburtshilfe 

Die Anästhesie in der Frauenklinik betreut die Patientinnen der operativen Gynäkologie sowie der Geburtshilfe. 

Operative Gynäkologie 

Das Spektrum der Gynäkologie umfasst alle gängigen Operationsverfahren von der Ausschabung bis hin zu den großen Operationen maligner Erkrankungen des inneren weiblichen Genitale. Die anästhesiologische Betreuung der Patientinnen in der Frauenklinik zielt insbesondere darauf ab, schonende und gut verträgliche Anästhesien durchzuführen. Mit einem guten perioperativen Schmerztherapiekonzept bemühen wir uns, besonders bei großen gynäkologischen Eingriffen, eine suffiziente postoperative Analgesie zu erzielen. In die Schmerztherapie eingebunden sind, neben den Anästhesisten und dem Akutschmerzdienst der Klinik für Anästhesiologie auch die Pflegerinnen der Stationen. 

Geburtshilfe 

In der Geburtshilfe des Klinikums Lichtenfels erblicken jährlich ca. 500 Babys das Licht der Welt. Ca. 30 % der Entbindungen finden heute per Kaiserschnitt (Sectio caesarea) statt.

Mit der sogenannten Spinalanästhesie ist ein einfaches, sicheres und zuverlässiges Anästhesieverfahren etabliert, das bei ca. 90 % der Kaiserschnittentbindungen durchgeführt wird. Es ermöglicht der werdenden Mutter gemeinsam mit einem Angehörigen, in der Regel dem werdenden Vater, diesen besonderen Augenblick bewusst mitzuerleben.

Die Geburt eines Kindes gehört zu den aufregendsten und schönsten Erfahrungen in unserem Leben. Dieses bedeutsame Ereignis soll natürlich so wenig belastend und sicher wie möglich für Mutter und Kind gestaltet werden. 

Anästhesie in der Neurochirurgie 

In der Neurochirurgischen Klinik werden vor allem operative Eingriffe am Gehirn und der Wirbelsäule durchgeführt. Hierzu bedarf es einer speziellen Narkoseführungen, da bei manchen Eingriffen die Funktion des Gehirns auch während der Operation überprüft werden muss (Neurophysiologisches Monitoring). Während der meist lang andauernden Eingriffe, liegt es in der Verantwortung des Anästhesisten nicht nur die Narkose aufrecht zu erhalten, sondern dafür zu sorgen, dass die lebenswichtigen Funktionen erhalten bleiben. Dazu werden u.a. die Kreislauffunktionen, Körpertemperatur und Balance des Flüssigkeitshaushalts des Patienten ständig überwacht und stabilisiert. Im Anschluss an einen Eingriff im Schädelbereich werden die Patienten auf unserer Intensivstation überwacht und nachbehandelt. Ein weiterer Schwerpunkt ist die Akutversorgung von Unfallverletzten mit Schädel-Hirn- und Wirbelsäulenbeteiligungen. Hierbei sind vor allem eine rasche Wiederherstellung stabiler Kreislaufverhältnisse sowie spezielle Schutzmaßnahmen für das verletzte Gehirn erforderlich. 

Anästhesie in der Hals- Nasen und Ohrenheilkunde (HNO) 

Die enge räumliche Beziehung zwischen dem Luftweg des Anästhesisten und dem Operationsgebiet charakterisiert die besondere Situation der Anästhesie in der HNO. Neben der engen und guten Zusammenarbeit mit den operativ tätigen Kollegen trägt nicht zuletzt auch die Narkoseführung in Form der Totalen Intravenösen Anästhesie (TIVA) zu Patientensicherheit und Komfort bei. Angst vor postoperativen Schmerzen und Übelkeit (PONV) sind zwar allzu verständlich, aber aufgrund der von uns gewählten Narkoseregime und der bereits intraoperativ begonnenen Schmerztherapie, die im Aufwachraum weitergeführt und bei Bedarf auch auf Normalstation fortgeführt wird, unbegründet.

Anästhesie bei Kindern 

Ein Kind ist aus medizinischer Sicht kein "kleiner Erwachsener“. Je nach Alter gibt es deutliche Unterschiede zum erwachsenen Menschen, z.B. hinsichtlich der Atmung, des Kreislaufsystems, des Flüssigkeitshaushaltes, der Nierenfunktion und anderer Körperfunktionen. Wir wissen um die besonderen Verhältnisse des kindlichen Organismus und stellen uns bei der Anästhesieführung gezielt darauf ein. 

Das bevorzugte Anästhesieverfahren ist die Narkose. Auch Säuglinge und Kinder müssen wegen der Aspirationsgefahr bestimmte zeitliche Nüchternheitsgrenzen einhalten. Ab wann Ihr Kind vor der OP nicht mehr essen und trinken soll, werden wir im Vorgespräch erklären. Vor der Operation werden die kleinen Patienten meist in den Aufwachraum abgerufen. In der Regel erhalten sie unter Aufsicht bereits auf der Station ein spezielles Beruhigungsmittel als Saft zum trinken. Im Laufe von 10 bis 15 Minuten kommen die Kinder in einen euphorischen Zustand. Sie können selbstverständlich Ihr Kind mit in den Aufwachraum begleiten. Achten Sie bitte darauf, dass Ihr Kind nicht aus dem Bett klettert oder aus Ihrem Arm gleitet, durch die Wirkung des Beruhigungsmittels ist nämlich die Koordinationsfähigkeit und der Gleichgewichtssinn eingeschränkt. 

Auf Normalstation oder im Aufwachraum wird zusätzlich auch noch eine spezielle Salbe auf die Handrücken aufgetragen und mit einer durchsichtigen Folie abgedeckt ("Zauberpflaster"). Dadurch werden die Hautareale so betäubt, dass das Legen einer Infusionsnadel nicht schmerzhaft ist. Zur Operation wird Ihr Kind von uns aus dem Aufwachraum abgeholt. Verabschieden Sie sich kurz von Ihrem Kind. Versuchen Sie dabei möglichst gefasst zu bleiben. Das beste Beruhigungsmittel für Kinder sind ruhige Eltern. Zur Narkose werden dieselben Medikamente genutzt wie beim Erwachsenen. Allerdings wird die Dosierung dem Alter und dem Körpergewicht angepasst. Die Beatmung während der Narkose kann, je nach Operation, mit Gesichtsmaske, Larynxmaske oder Tubus durchgeführt werden. Nach erfolgter Operation können Sie selbstverständlich im Aufwachraum Ihr Kind wieder in Empfang nehmen. In den ersten Minuten nach einer Narkose, sind manche Kinder unruhig und wenig zugänglich. Dies ist kein Grund zur Beunruhigung. Wenn die Kinder vollständig wach sind und die Schmerzmedikamente ausreichende Wirkung zeigen, verlegen wir sie auf die jeweilige Station zurück. 

Wir hoffen, wir konnten Ihnen einen kleinen und verständlichen Einblick in die Arbeit der Anästhesie geben. Sollten dennoch Fragen offen geblieben sein, erreichen Sie uns telefonisch über das Sekretariat der Klinik für Anästhesiologie, operative Intensivmedizin und Schmerztherapie (Telefon: 09571 12-771 oder E-Mail: anaesthesie@d5a730262a9f484993c9149480510820klinikum-lichtenfels.de). 

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