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Der Schmerz

Schmerz wird als ein unangenehmes Sinnes- und Gefühlserlebnis beschrieben. Neben anderen Sinneseindrücken wie Sehen, Hören, Schmecken, Riechen kann der Mensch durch die Aktivierung von speziellen Nervenfasern in seinem Körper, neben Qualitäten wie Hitze oder Kälte, auch Schmerz wahrnehmen. Fast überall in unserem Körper befinden sich diese Schmerzfühler (Nozizeptoren), in den Organen, den Knochen und vor allem der Haut. Durch mechanische, chemische Reize oder Hitzereize werden diese Schmerzfühler aktiviert und senden ihre Information über Nervenbahnen zum Gehirn. Dort wird die Information "Schmerz" bewertet und entsprechende Gegenmaßnahmen zur Beseitigung und/oder Vermeidung der Schmerzen eingeleitet. Hinter diesen Maßnahmen der Schmerzwahrnehmung, Schmerzweiterleitung und Verarbeitung und dem Einleiten von Gegenmaßnahmen verbirgt sich ein hochkomplexes Sinnessystem, das mit vielen anderen Systemen des Körpers interagiert (Immunsystem, Hormonsystem, Gefäßsystem etc.).

Sinnessystem

Bei Schmerzwahrnehmung und Schmerzverarbeitung handelt es sich um ein individuelles lernendes System (Neuroplastizität). Individuell insofern, dass Schmerzwahrnehmung auch abhängt von Alter, Geschlecht, vom körperlichen Zustand oder zeitlichen Rhythmen. Ein spezielles Nervensystem durchzieht unseren Körper wie ein Netz, um Veränderung oder auch Gefahren an das Gehirn über das Rückenmark weiterzuleiten (aufsteigende Bahnen). Im Gehirn sind spezielle Gebiete für die Verarbeitung der Information „Schmerz“ zuständig. Einer starken Beeinflussung unterliegt dieses "Schmerzsystem" durch die sogenannte "Limbische Funktionseinheit", ein Netzwerk, das auch für das Gefühlsleben verantwortlich ist. Auch viele andere Hirnareale und Gehirnzellen beeinflussen unser Schmerzerleben. Reagiert das Gehirn auf den Schmerzreiz, werden absteigende Bahnen vom Gehirn zum Körper aktiv. Eine Besonderheit sind dabei spezielle hemmende Bahnen, die unsere Schmerzempfindung unterdrücken. Die Ausbildung dieser Schmerzhemmung ist vermutlich ein Grund für das individuell unterschiedliche Schmerzempfinden von Menschen. Die Medizin unterscheidet Schmerz nach bestimmten Kriterien und nimmt dabei eine so genannte Schmerzeinteilung vor.

Schmerzeinteilung

Die Schmerzeinteilung erfolgt nach Dauer der Schmerzen, nach neurobiologischer Funktion und nach der Ursache. Schmerz ist  generell aber eine subjektive Erfahrung, die nach wie vor nur schwer zu objektivieren ist und nur bedingt Rückschlüsse auf den Schmerzreiz oder dessen Stärke zuläßt. Objektivierbare Schmerzmessungen werden vor allem experimentell eingesetzt. Sogenannte Schätzskalen dienen derzeit im klinischen Alltag zum Einschätzen der subjektiven Schmerzstärke des Patienten. Bevorzugt werden zahlenbezogene Schätzskalen von 1 bis 10 eingesetzt. Zugrunde liegt das Prinzip der Selbsteinschätzung. Daneben kommen aber auch beschreibende und visuelle Skalen zum Einsatz. Die erhobenen „Schmerzwerte“ dienen während der Schmerztherapie zur Beurteilung des Therapieverlaufs. Diese Dokumentation erfolgt in so genannten Schmerztagebüchern.

Dauer

Akute Schmerzen sind meist nur auf Stunden bis zu wenigen Tagen beschränkt. Die Zusammenhänge zwischen Ursache und Schmerzen sind meist verständlich, eine ursächliche Behandlung ist häufig möglich.

Dauern Schmerzen länger an, kann die auslösende Ursache nicht behandelt werden oder halten die Schmerzen nach Beseitigung der Schmerzursache an, spricht man von chronischen Schmerzen. Diese werden als eigenständiges Krankheitsbild bewertet. Die genauen Ursachen, die zu einer Chronifizierung von Schmerzen führen sind noch nicht endgültig geklärt. Verschiedene Mechanismen im Schmerznervensystem werden vermutet, ein Zusammenhang mit psychosozialen Faktoren wird angenommen. Grundsätzlich gilt: Je länger Schmerzen anhalten, desto höher ist das Ausmaß der Chronifizierung und desto schwieriger ist die Behandlung. Typische Begleiterscheinungen chronischer Schmerzen sind Schlaflosigkeit, ärgerliche und traurige Stimmungsbilder, Erschöpfung und eine geringe Schmerztoleranz. Im Zusammenhang mit chronischen Schmerzen wird meist eine Zeitdauer von mindestens sechs Monaten angegeben.

Neurobiologische Funktion

Wird die Ursache von Schmerzen im Bereich der Schmerzfühler (Nozizeptoren) vermutet, z.B. durch mechanische, biochemische oder thermische Reize, spricht man von "nozizeptiven Schmerzen". Ist der Ursprungsort im Bereich der Haut, der Bindegewebe, der Muskulatur oder der Knochen spricht man von „somatischen Schmerzen“. Bei „viszeralen Schmerzen“ ist der Grund ursächlich im Bereich der inneren Organe zu suchen. Dem gegenüber nennt man Schmerzen, die einer Nervenstruktur zuzuordnen sind, „neuropathische Schmerzen“. Ursächlich kommt eine Schädigung oder Irritation von Nervenstrukturen in Frage. Aufgrund der Komplexität des Nervensystems gibt es bei neuropathischen Schmerzen noch eine Vielzahl unterschiedlicher Unterteilungen.

Ursache

Die Einteilung der Schmerzen nach der verantwortlichen Ursache ist eine der wichtigsten. Dies ist besonders wichtig, da Schmerzen häufig ein Symptom einer gravierenden Erkrankung sein können und so frühzeitig als möglich behandelt werden müssen. Beispielhaft seien hier postoperative Schmerzen oder Schmerzen im Rahmen einer Tumorerkrankung erwähnt.

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